Freitag, 21. Juni 2019 / Veilchenblau

Türe geöffnet & sie direkt vor mir, Nase an Nase, da fehlt nicht viel, plus Sonne auf der Haut, die ich rieche, Sommer & Blumen. Ein kurzer oder langer Moment, wo gerade gar nix geschieht, Pausentaste, und ich partiell ionisiert, zu viel oder zu wenig da und dort, dass Nackenhaare sich aufstellen oder andersrum. Dann Küche, Stuhl, Tisch und ich, die Eistee anrührt & in Schränken krame, während sie mit Blicken wie Traktorstrahlen mich einfängt und mit dem Kompass spielt, der daliegt, noch immer. Sowie die Säcke von K mitten im Flur und das verschlossene Köfferchen mit Abziehbildern drauf, Kassetten drin, hat er gesagt, wer’s glaubt, und alles ein wenig Friedhof, weil nicht abgeholt. Gerade ich: Gänsehaut, und eine Biene, die nervös ins Zimmer schiesst, subito wendet und wieder verduftet. Dann Läuten an der Tür, schon wieder, diesmal der Pöstler, und ich, das Paket in den Händen, noch ein Weilchen auf dem Fussabtreter gestanden und Nachbarin betrachtet, wie sie Teppiche sauber klopft. Bei jedem Schlag spannt sie die Schultern und verträumtes Lächeln umspielt übertrieben geschminkte Lippen. Oben auf dem Treppenabsatz steht Veilchenblau, die mich mit Augen wie Kosmos schaut und ich bitte sie, zu bleiben, was auch immer das heissen mag. Dann nebeneinander auf dem Sofa & Geräusche, die durchs offene Fenster sich hineinstehlen wie Diebe aus Gummi, doch total OK, die Situation, Atem im Atem und Worte wie Comicsprechblasen, rote, blaue, grüne, die aufsteigen und an der getünchten Decke klebenbleiben.

N: Arbeit aus Ton 2014 (Foto: Anna)

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