Montag, 11. November 2019

Das Gespräch

Es ist ein wenig zu früh, denn niemand möchte sich verspäten, oder auch zu pünktlich sein natürlich, was nachlässig wirkt. Um nicht herumzulungern, gehst du ein zwei Schritte ums Haus oder die Strasse hoch & wieder runter, im Kopf Themenkärtchen durchgeblättert und noch einmal sortiert. Dann wird es Zeit, du läutest die Glocke und faltest dein Origamilächeln, so wie du es geübt hast, nämlich bis in die Augen hinein. Erst beim zweiten Mal klingeln wird die Türe geöffnet, was dich ein wenig trotzig stimmt, weil heuer nicht mal mehr der Postmann es zwei Mal tut. Du am Tischende, rechts die Behörde, links das Proletariat und frontal gegenüber sie, die du aus Zeitungen kennst. Männerquote Null, braucht nicht gesagt zu werden, 2019 das Jahr der Frau und nicht des Patriarchen, wenigstens hier bei uns im Binnenland. Dann stellen sie Fragen und du servierst die Antworten, brav aus dem Kopf heraus, wie wenn es gerade nichts Schöneres gäbe, als dich zu verkaufen, du Hure. Es gefällt dir sogar, die ungeteilte Aufmerksamkeit feister Hände auf dem Leib zu spüren, dabei schaust du allen kerzengerade in die Augen bis der Spuk vorbei ist.

Das Haus in deinem Rücken bleibst du am ersten Fussgängerstreifen stehen und zündest dir eine Zigarette an, ziehst den Rauch tief hinein in deine Lungen, den Bauch, die Fingerspitzen, und für einen kurzen Augenblick bist du zufrieden mit dir und der Welt.

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