Die «Hullo»-Variante

Da kommt eine auf die Idee, sich künftig des «Hallo» zu verwehren, und stattdessen mit «Hullo» zu grüssen. Ordentlich brav, zugegeben. Doch mit gebührend Würde vorgetragen dennoch gelinde irritierend.

Mal innehalten (Foto: AnnA)
Mal innehalten (Foto: AnnA)

I. Die Bar

Bald der Keeper an der Bar: «Hullo, Hullo, was hätsch dennn gärn?» Und Rose, die davon den Schluckauf kriegt, von Karl schon gar nicht zu sprechen. «Hullo» allenthalben da und dort, was mehr als gelinde irritiert. Worauf ein Freischaffender des Sommerlochs wegen diesen Artikel verfasst mit Fotos besagter Bar sowie dem Keeper und das Ganze in die Zeitung bringt. Heisst Freibier für alle Zeiten, soviel ist klar, das war ihm auch versprochen worden.

II. Die Woge

«Hullo» mit einem Schlag total en vogue, und bereits nach wenigen Wochen über den grossen Teich geraten, wo die noch ganz anders spinnen, als unsrerseits, was jede weiss, da brauchst nicht dort gewesen zu sein. Jedenfalls der Präsi eines morgens im Halbschlaf «Hullo everybody!» in die Welt hinaus getwittert, worauf Scheisse sich gleichmässig mindestens über alle Staaten verteilt. «When the Hu hits the Fan!» wird zum Sommerhit und man werde wohl noch mit dem Handy spielen dürfen, um ordentlich wach zu werden, beschwert der mächtigste Ami sich per Videobotschaft. Sowieso, technisch gesehen sei die Zeitspanne des Aufwachens Privatsphäre und wenn jede ihre Nase permanent in anderer Angelegenheiten stecken täte, ja was dann?

III. Das Politische

Abends in der Tagesschau referiert eine sichtlich gestresste Auslandkorrespondentin von Spaltung der Gesellschaft, welche quer durch Parteien, Gender, Einkommensklassen, Hautfarbe und wasweisssie sich ziehe. Während Molotows ihr bloss so um die Birne pfeifen. Nach bedrohlichem Wackeln des Fernsehbildes unterbricht die Verbindung nach Washington, stattdessen wird der Wettermann auf dem Dach eines Hochhauses in Zürich eingeblendet: «Hullo everybody!» Noch dazu herrlichstes Wetter, so weit das Auge reicht, dass ein anderer spontan beschliesst, von Osten her Panzer rollen zu lassen, um dem Schnickschnack wenigstens eurasisch gesehen den Garaus zu machen. Oder einfach mal ein bisschen rollen lassen à la Autokratenporno, was Weltgemeinde sowohl schärfstens verurteilt wie auch müde toleriert.

Der Hirte

Der Papst sieht widerwillig sich genötigt, Abtreibung aus dem Repertoire zu kippen und dafür mal Nächstenliebe zu predigen, währenddessen seine Herde «Bungiorno, Bungiorno» skandiert. Dabei versteht der Mann bloss dürftig Italienisch und verlässt würdig den blöden Balkon. Da er jedoch vergisst, das Mikro auszuknipsen, wird aus dem Off weiter peinlichst übertragen, was die Gemüter nach und nach erwärmt. Als Putzequipe sich nach Sonnenuntergang aus den Löchern traut, liegen hingeworfener Christenkreuze traurig auf dem Petersplatz, was von Weitem aussieht wie terminierte Insekteninvasion.

Die Gesellschaft

Derweil Aktivisten in Berlin sich daran machen, jene berühmte Mauer wieder hochzuziehen, was sich als schwieriger herausstellt, als gedacht. Vor allem des Wetters wegen, behaupten sie, das wunderbarer nicht hätte sein sollen. Dennoch tragen viele Kurzarmshirts, wo «Hullo, ich bin ein Mensch» draufsteht, und rackern redlich sich ab. Fast unbemerkt dreht übrigens das Panzerschwadron aus dem Osten verschämt wieder ab, um erst mal bei sich zu Hause aufzuräumen. Wo genau dieses sich befinde, werde noch bekanntgegeben und auf «Pruvet!» steht seit neustem übrigens Gulag.

Fazit

Kleine Notiz am Rande: In Ägypten sei mehr als ein Kamel trotz gutem Leumund brutal gesteinigt worden, weil das Tier «Muh» gemacht habe. Ägypten, stell dir das mal vor, wo Muhmien meterhoch sich stapeln, doch lustig ist anders, sowieso klar.

Im weltweiten Chaos geht wieder das eine vergessen, klar, das private Elend zum Beispiel. Die Not des Kleinen. Einzelnen. Und Moral mal in echt: Dass selbst der bravste Widerstand dem Individuum letztlich NIE zugutekommt.

Die exemplarisch Widerständige übrigens, so ganz nebenbei, grüsst heutzutage konsequent mit «Guten Tag», und ärgert sich nicht schlecht, wenn andere sie duzen oder sonst wie respektlos ihr begegnen. Dass sie die gewesen war, die «Hullo» erfunden hatte, glaubt ihr eh kein Schwein.

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