Zur Abwechslung mal in Uster gestrandet…

Menschen säumen den Bahnsteig. Tragen Masken. „Das Ende naht“, sagen die einen. Und andere: „Wir bleiben dabei!“

Uster? Da kommst du hin, wenn du den falschen Zug erwischst. Und sonst so? Keine Ahnung. Vor tausend Jahren hat Motörhead mal hier gespielt. In der Stadthalle. Woher ich das weiss? Manche Sachen vergisst du nie.

Werd (Foto: AnnA)

Am Samstag hingegen waren wir Grillen. Limmat. Musik. Gekühltes Bier. Auf dem Nachhauseweg kippt mein Fahrrad in einen gierigen Busch. Mit mir noch obendrauf. Während sie lacht, rapple ich mich auf und übe Deutsch. Bloss halb so wild.

Zum Tagesbeginn…

Home Sweet Home (Bild: AnnA)

Erstens: Dass ich mir vorkomme wie altes Handy. „Der Akku, Leute, der Akku“, schreit es aus mir heraus. Dann die Sache mit dem Update: Wie lange wird mein Modell noch unterstützt?

Japanischer Single Malt: Jeweils nächtens wenn ich schreibe. „Was da alles drin ist?“, frage ich mich draussen beim Rauchen. Alles Gummibaum.

Übrigens: Ich schlote Camel. Die Braunen. „Männerzigaretten“, sagt sie, die ständig davon nascht. Ich hingegen feile noch an einer eloquenten Entgegnung.

Zuletzt: Seit ich dieses Allezonen-Abo besitze, wünsche ich mir nichts sehnlicher als Ticketkontrolle. Wenn sie dann aber da gewesen war, macht dezente Enttäuschung sich breit.

Bewegendes aus dem Tierreich

Von Petzerbienen, Mücken und ausgewiesenen Walen: Zur Abwechslung mal Bewegendes aus dem Tierreich.

Drache in Basel von Thomas Schütte (Bild: AnnA)

Petzerbienen

Ein Niederländisches Team von akademischen Tüftlern hat Honigbienen beigebracht, Covid-19 Viren zu verpetzen. Rüssel raus gleich Judaskuss. Dann gibt‘s Zuckersaft.

In Holland kaufst du eben besser Tulpen und zum Beispiel keinen Honig. Ist wie mit den Fledermäusen. Selbe Geschichte.

Tigermücke in Florida

Summt den globalen Erwärmungssong. Mehrt sich. Summt. Weibchen pikiert. Derweil Männchen tut, wofür Männchen geschaffen worden war. Die Formel dazu: XY plus XX gleich entweder XX oder XY.

Summt den globalen Erwärmungssong. Mehrt sich. Summt. Weibchen pikiert. Worauf Briten mal basteln. Sich X vornehmen. Und Summen verstummt. Womöglich für immer.

NZZ vom 9. Mai 2021

Meeressäuger

In London befreien sie diesen Wal aus einer Schleuse. Zahlreiche Schaulustige wohnen dem seltenen Ereignis bei. Das Tier sei wahrscheinlich auf der Jagd nach Fischen die Themse hochgeschwommen und habe sich anschliessend verirrt.

Ein Zusammenhang mit dem Brexit jedoch wird vehement bestritten. Nicht aber ausgeschlossen. Und Bill Gates hat leider keine Zeit, sich auch noch um Weltmeere zu kümmern. Zivilstands Regelung und andere Verschwörungen, du weisst schon.

Gedehnte Quarantäne in Berlin

In der Tat ist K wie Karl nicht wirklich ausgewandert, sondern eher so in gedehnter Quarantäne drüben in Berlin. Wo er sich’s gut gehen lässt.

Gedehnte Quarantäne in Berlin
Berlin im Mai 2015 (Bild: AnnA)

Hat mir ‘ne Postkarte geschickt vom Brandenburger Tor anno Schwarzweiss und wenn du die Rückseite liest wird klar: Angetrunken oder sonst wie verknallt. Wahrscheinlich aber beides, was mir ein irgendwie betrogenes Gefühl beschert. Du weisst schon: Wie man sich stets irgendwie beschissen fühlt, vor allem dann, wenn du selbst die Bescheisserin bist.

Basilisk und Resslirytti

Basel liegt am Rhein. Öffentliche Verkehrsmittel sind vollgestopft mit alten Leuten. Also gehst du womöglich besser zu Fuss.

Böcklin im Kunsthaus Basel (Foto: AnnA)

3. Mai 2021

In Kleinbasel schenkt eine Beiz Calanda Bräu aus. Beim Brückenkopf wacht der Basilisk oder eher noch Cockatrice (wegen der Flügel). In Riehen gibt’s ein Museum, wo Rodin und Arp sich Face to Face begegnen. Tust du aber dasselbe, pfeift Alarm. Sodann Frau am Eingang mit den Füssen stampft. Der Denker hingegen ist ins Grübeln geraten, was ihm kaum zu verdenken sei. Derweil Froschhase draussen im Teich senil vor sich hin sabbert und an diesen Roman erinnert, wo einer Buchstabe für Buchstabe seinen Namen vergisst.

Am Ende dann A-R-P.

Abends hocken wir an der Limmat und Münster bildet eine aus Karton geschnittene Silhouette. Nebenan schwelgt eine Gruppe Ausgewachsener von den Achtzigern. Während wir zeitloses Takeaway-Bier sippen.

4. Mai 2021

Unser Hotel liegt am anderen Ende der Wettsteinbrücke. Das Zimmer ist nett, doch eine Espressomaschine suchst du vergeblich. Im Kunsthaus hängt ein Gemälde von Mark Tobey, was du gesehen haben musst. Dann noch Böcklin, wo keine so recht weiss.

Ich aber sag mal: “Egal!”

Bild: AnnA