Nacktmulche

Nacktmulche
Nacktmulche im Zoo Zürich (Foto: AnnA)

Am Wochenende waren wir im Zoo und dort gibt‘s Tiere wie zum Beispiel Nacktmulche, was irgendwie so würsterlförmige, weisse Säugetiere sind, welche mehrheitlich aufeinander hocken und hauptsächlich gesellschaften. Gecheckt?

Fri-Son in Fribourg

Eine Überraschungsreise und ab Bern schwant es mir: Fri-Son in Fribourg!

Im Alpha musst du nicht direkt absteigen, kannst aber. Eine Säule mitten im Zimmer zwingt dich entweder zur Konfrontation oder du denkst drum herum. Dafür aber hast du Morgenbuffet par excellence und sowieso sind alle superfreundlich.

Draussen ist’s kühl und Bier hilft auch nicht weiter. Im St. Nikolaus zünde ich ein Kerzchen an, denn da wo er ist, gibts keine Abreisskalender. Dann sind da noch Reliquien, welche du aber eigentlich nicht siehst.

Reliquienraum im St. Nikolaus (Bild: AnnA)

Die vom Pho Vietnam servieren Weihnachtsbier (vom letzten Jahr?) und was zu Futtern. Veilchenblau bestellt Fleischloses an Krabbensosse, ich hingegen halte mich an die Ente.

Das Fri-Son bietet mit darius eine Art Instrumentalmetal wie etwa down gestrippte Hawkwind oder vielleicht Monster Magnet und manchmal befallen einen unversehens (frühe) Nirvana-Momente à la Bleach. Muss man sich reinziehen. So ist das halt.

Fri-Son in Fribourg
darius: Live Ebullition (Quelle: bandcamp)

Peter Kernel gelten als Tessiner, was bloss halb so stimmt. Aber egal. Aris und Barbara machen alternativen Rock, alternativen Pop oder einfach Indie und werden von einem versierten Drummer unterstützt. Ob die beiden ein Paar sind fragst du dich, während die beiden skurril witzige Lieder präsentieren ohne einander aus den Augen zu lassen.


Ein Gespräch eigentlich zum Vergessen

Wie zweifellos du befinde auch ich mich in einer Position. Hier die Scheffin, dort Bescheffte. Und dazwischen? Eben ich.

Ein Gespräch eigentlich zum Vergessen
Bild: AnnA

Unser Gespräch driftet unverzüglich in Richtung

Loya-
Li-
Täts-
Prin-
Zip.

Wo gerade ich Prinzipien äusserst kritisch gegenüber stehe. Nicht direkt prinzipiell, logo, aber halt doch verdammt nah dran. Was sie aber nicht wissen kann. Woher denn auch?

Worte tropfen vom ovalen Tisch dass es wie klackert. Auf gebohnertem Parkett bilden sich quecksilberne Pfützen. Sie ist im Wesentlichen vorbereitet und hakt Punkt für Punkt das Protokoll für Krisengespräche ab. „Also Krisengespräch“, denke ich, während zu meinen Füssen der Spiegel unendlich grösser wird.

Doch braucht sie mich mehr als (im Speziellen) ich sie, weil meine Personalie sozusagen als einzige Verbliebene noch im Boot hockt. Die Arbeitskollegin hat sich vor geraumer Zeit mit Ermüdungserscheinungen abgemeldet und seither herrscht Dauerzustand. Also dauernd Zustand, wiewohl besser als Umstand, meint Veilchenblau, die letzte Woche einen Job bei der Uni angetreten hat. „Macht ist eine n mal n Matrix und Janos ein Sandkastenbub“, geht mir durch den Kopf, doch habe ich keinen Schimmer, von wem das stammt. Wahrscheinlich aber Löffel.

Ebenso klar, dass ich just mein Mundwerk nicht halten kann, heisst keine zwei Minuten. Weil sie mir zum Beispiel erstens mal mächtig auf die Titten geht plus ich mir nur ungern was vorschreiben lasse. Was man natürlich besser wissen sollte, sagen wir mal: In meinem Alter. Zudem das Gegenüber durchaus ein klitzekleines Wenig im Recht ist, bloss hat das mit Loyalität dann überhaupt gar nichts mehr zu tun. Oder konkret: ALLES? Doch sind wir hier sowieso weniger in Philosophier- und Plauderlaune, demnach muss ich das einfach mal so stehenlassen.

Dann kommt die Schweigephase, wo wir uns in die Augen starren und Wegschauen einfach nicht geht. Weil mir zumindest die Demut abhanden gekommen ist, wobei eine Art Staunen mich erfüllt ob dem, was hinter verengten Irissen verborgen liegen mag.

Fazit? Ein Gespräch eigentlich zum Vergessen.

Und der Song dazu? Klar: Igorrr!


Hinterland

Sogar Babs ist beunruhigt als Franco sich unversehens ankündigt. Folglich lichten wir die Anker und machen uns von dannen. Die netten Nachbarn vom Platz winken dem Wagen hinterher, bis eine bräunlich-gelbe Staubwolke sich dazwischen legt.

Pitigliano

Die Wohnungsreservation in Pitigliano bleibt vorerst mein Geheimnis. Wenn es nämlich um Maskuline geht, kannst du Babs keineswegs trauen. Seit der Autobahngeschichte hat sie nämlich diesen Glanz in den Augen. Und ihr Handy zu zerstampfen traut sich nicht mal Veilchenblau. Nach Grosseto biegen wir links (in Richtung Apennin) ab, worauf Strassen sowohl schmaler als auch kurviger werden.

A Naartjie In Our Sosatie heisst eine Schallplatte aus den 80ern, welche ich mir damals gekauft und heuer digital wiederentdeckt habe. Damit können jedenfalls alle leben.

Hinterland
A Naartjie In Our Sosatie (Quelle: bandcamp)

Auf einer Ausfahrt mit Postkartenblick werden wir zunächst gnadenlos zugeparkt, danach tropft Charme wie Blut von meinen Lefzen. Dafür haben diverse Carpiloten ihre Vehikel tadellos an den Rand der Schlucht bewegt um einen Korridor zu schaffen. Für mich notabene.

Während die Mädels sich über eine Unterkunft mit Bett freuen, parkiere ich den Bus kostenpflichtig in New Town. Das Haus gleich neben der alten Synagoge heisst La Casa Del Ghetto, bloss falls du mal hin willst. Veilchenblau wirft erst mal den Ofen an und haut sich anschliessend aufs Ohr. Bei ca. 25° Celsius versuchen wir, das Teil zu justieren, was sich als nicht ganz so einfach herausstellt. Stichwort: Niedergaren.

Hohlweg bei Pitigliano (Bild: AnnA)

Ein Spaziergang ausserhalb führt durch in Tuff geschlagene Hohlwege. Links und rechts gähnen Grotten, wo vor mehr als 2000 Jahren noch Tote gelagert worden waren. Jedenfalls erzähle ich das so. Heuer siehst du Betten darin und schimmelige Überbleibsel von ebensolchen Partys. Am Ulmenbrunnen rasten wir und kehren auf demselben Pfad wieder zurück.

Sorano

Der Weg nach Sorano sei zu Fuss am Schönsten, versichere ich den beiden, während wir draussen vor der Synagoge hocken und uns von einer schwächlichen Sonne bescheinen lassen. Babs wäre zwar lieber ein wenig durch die Stadt geschlendert, wohlweislich schweigt sie aber. Die Franco-Geschichte hängt ihr noch immer im Magen (oder Uterus, wenn man so will) und aufgehende Sonne ersäuft geradewegs in ihren melancholischen Blinkern. Veilchenblau geht kopfschüttelnd ihren Rucksack packen, den aus dem Wallis, du weisst schon.

Unterwegs beflügelt mich die Sache mit dem Historischen, dass ich mir vorkomme wie junger Cerberus. Oder sonst so: Hund. Schritt auf Tritt Geschichte, Geschichte und nochmals Geschichte verschafft mir das erhebende Gefühl von (zugehöriger) Weite. Am sehnlichsten wünsche ich mir aber ein Wurmloch, wo ich auch reinpasse. Obwohl Veilchenblau meint, dass es längstens schon geschehen sei und ich mitten drin stecke ohne es überhaupt zu bemerken.

In Sorano gibt’s erst Prosecco, dann knusprige Pizza mit Käse wie klimaerwärmte Gletscher. Eine Frau in schwarzen Leggins patrouilliert vor der Gartenbeiz und mustert uns gestreng. Wir schauen uns an. Vielleicht so ein Revierdings?

Später betrachten wir eine kopfüber-Fledermaus im Kegel meiner Taschenlampe und jede Menge Höhlengräber noch dazu. In manche krieche ich hinein und hock auf die Bettstatt aus Lavagestein. Stille umgibt mich wie samtene Engelsflügel. Es riecht modrig. Abends essen wir extravagant in mehreren Gängen, derweil am Nebentisch ein Paar diniert, das sich nicht traut.

Franco

Tags darauf steht tatsächlich Franco vor der Tür, während eine aufgedonnerte Babs halbherzig Überraschung mimt. Veilchenblau jagt blaue Blitze durch die Gegend, dass Darth Vader zum Sandkastenbub mutiert. Ich steh mal wieder dazwischen und vermittle. Morgen aber gehts nach Hause, soviel ist klar. Und heute ist heute.

Am andern Tag sitzen wir zu Dritt im Bus und Waldgeflüster klingt an. Dahoam heisst die Scheibe und passt irgendwie. Jedenfalls: Löffel wäre stolz auf mich.

Und Franco? Was weiss ich?


Agricult

Wir haben einen Van gemietet und düsen nach Italien. Sie hat’s mit dem Meer, ich hingegen will Gräber sehen. Und Babs, die wiedermal Krise schiebt, sitzt hinten drin. Agricult? Kommt später.

Piombino (BIld: Babs)
Piombino (Bild: Babs)

Milano

Autobahn, Gotthard, Autobahn, dann Zoll, der gar keiner ist, sondern eher so Kasperlbude mit Männchen drin. Kurz vor Milano fahren wir raus und steigen im Just-Hotel ab. Vier Sterne mit Blick auf vier Autobahnkringel, dafür aber leicht zu finden. An den Wänden hängen Gemälde von Berühmtheiten wie Marilyn, Gianna, Laura et cetera & rauchen darfst du auf einer Art Balkon. Unten auf dem Carpark prüfen krumme Männer mittleren Alters Rennräder, ich aber sag: Velo. Von Weitem mag Veilchenblau’s BH als Bikini durchgehen, was aber keine Rolle spielt. Ausser die vergessen, ihre Schrauben anzuziehen oder was weiss ich. Babs hingegen sitzt in der Lounge und süffelt Martini.

Am andern Tag tauschen wir Rollen. Veilchenblau hupt sich durch den Dunst Mailands, derweil mir die Bedienung der Soundanlage obliegt. Gelegentlich halten wir an einem Autogrill um zwei zu rauchen plus wegen dem Kaffee. Solcherart geht Babs verloren, die gerade noch friedlich hinten geschlummert hatte. Als sie anruft, spielt gerade Non Serviam ab Bandcamp-Account und der Klingelton schreckt uns auf. Letztlich kutschiert einer mit Fiat sie zur nächsten Raststätte, wo wir warten und Ende gut. Währenddessen aber haben die beiden Nummern getauscht und Franco fährt noch ein Weilchen grinsend hinter uns her.

Agricult
Non Serviam: Le Coeur Bat (Quelle: bandcamp)

Agricult

Maremma bezeichnet im italienischen eine Art halbwegs gezähmter Sumpf. Steht jedenfalls so in Wikipedia. Längs des toskanischen Küstenstrichs verläuft die Autobahn, links und rechts paaren sich Mücken. Der Platz, wo wir Stellung beziehen, heisst Vento Etrusco, denn es bläst mit Vehemenz. Man entschuldigt sich dafür und leiht uns drei klapprige Bikes, womit wir Richtung Strand radeln.

Das Meer? Kühl. Endlos. Wunderbar. Dazu noch Sonnenuntergang à la Bilderbuch. C’est magnifique! Trotz fast Null Promille wird Babs endlos romantisch und will mit uns ins Wasser, womöglich Hand in Hand. So aber läuft das nicht, worauf sie wie blöd ins Gerät textet und Panoramaaufnahmen macht. Später finden wir eine Beiz.

Tag Drei

Heute die Idee einer Biketour oder einfach mal Einkaufen. Cappuccino drüben im Kaff plus COOP. Am Strand schaufeln wir Löcher und klauen dem Fischer seine Sitzgelegenheit. Und in einer Bar treffen wir 1000 miesepetrige Schweizer. Als wir die Flucht ergreifen, bemerkt Veilchenblau, dass ihr Pneu Platten hat.

Morgen geht’s ins Hinterland zu den Etruskern. Wegen der Gräber, mal ehrlich.


Dunkel dieser Nacht

Dunkel dieser Nacht. 
Kraftlos vom Himmel tropft.

Zwischen Häusern versickert.
In Vorgärten.

Und Katzen.
Schwärze von den Dächern lecken.

Stern um Stern.
Die Augen verschliesst.

Während sie mirwirdschlechtrosa
Plüschwolken pinselt.

Wer ich bin?

Wer ich bin fragst du mich nicht zum ersten Mal mit spitzen Lippen.

Helsinki-Bühne (Bild: AnnA)

„Falsche Frage“, antworte ich. Den Rest kannst du dir selber denken.


Tagebuch XI / Mal wieder Schwarz

Mal wieder Schwarz? Klar.

Idylle (Meh Suff, Foto: AnnA)

Einchecken im Hilton Spreitenbach, was eigentlich keines ist, sondern bloss so draufsteht. Ein Name wie jeder andere. Jedenfalls: Aufs Bett geschmissen, zur Decke gestarrt, dann runter an die Bar, wo Löffel ins Bier sinniert und einer mit halblangen Sprüchen bedient. Draussen sitzen ein paar Schmierige, die aussehen wie Zuhälter oder Schieber – und es wahrscheinlich auch sind.

Du kriegst den grünen Stoff ums Handgelenk, heisst zertifiziert, und eines noch als Ticket dazu. Die erste Band verschwindet bereits im Backstage-Bereich und Leute holen sich Bier. Tom Fischer hat abgesagt heisst es, weshalb du auf Facebook Tickets zum Halbpreis kaufen kannst. Radieschen stellt einen Klappstuhl hin, worauf sich sitzen lässt. Dann spielt Bølzer und es ist wie gestern.

Manchmal mache ich kleine Spaziergänge zum nahen Wald. Lehne mich an einen Baum, denke, was der wohl denken mag und rauche Zigaretten. Die Sonne scheint abendlich schräg aufs Gelände und Rauch steigt auf.

Bølzer (Foto: AnnA)

Im riesigen Bett schläft‘s sich ordentlich. Auch wenn Platz für Zwei wäre. Morgenbuffet? Na ja. Wir hängen rum. Trinken. Tauschen aus. Lachen. Rauchen. Setzen uns nach draussen. Und bald schon ist Migräne Vergangenheit. Es stellt sich heraus: Radieschen mag ihren Stuhl nicht schleppen und ein geraumes Weilchen wird drum rum diskutiert. Am Ende aber geht er vergessen.

Der Krach heute ist erste Sahne, das muss man mal so stehen lassen. Mit Schammasch zum Beispiel liegst du eigentlich nie falsch und Stillbirth sind der helle Wahn. (Wenn auch nicht ganz jugendfrei.) Radieschen derweil hat sich irgendwie verzottelt. Und von Löffel siehst du ab und zu Silhouette, während die Jungs kommen und gehen.

Noch so Tagebücher

Tagebuch I handelt weit oben in den Bergen, Tagebuch II widmet sich dem Philosophischen und Tagebuch III will sich nicht festlegen. Während Tagebuch IV zutiefst Existentielles berührt, bleibt in Tagebuch V Raum für das Alltägliche. Derweil Tagebuch VII eher so die Kant-Schiene fährt. Tagebuch Acht? Schlangen, Kracht und noch ein Buch, dessen Autorin nicht genannt werden will. In Tagebuch IX hingegen spielen Nasensekrete eine wesentliche Rolle, was in Tagebuch X gänzlich ausgelassen wird.

Von der Zeit gelesen

Glattpark (Bild: AnnA)

Von der Zeit gelesen. Wie ich sie anhalten kann. Scheinbar. Oder in echt. Indem man sie verdammt noch mal fixiert. Die Zeit. Gleich meine. Nicht deine. So weit geht’s dann doch wieder nicht.

Tagebuch VIII: Schlange, Kracht und Kasperl

Tagebuch VIII handelt von der Schlange, einem Kracht-Roman und dem lieben Kasperl. Der dann gar keiner mehr gewesen war. Oder gewesen sein wollte.

Irgendwo im Rheintal (Bild: AnnA)

20. Mai 2021

Gestern beim Grill im Gewächshaus. Danach The Serpent und da willst du nicht hin, wo die entweder high, totgemacht oder beides sind.

21. Mai 2021

Dann mal dieses Buch von Kracht zu Ende gelesen. Gleich Stummfilm. Musst höllisch aufpassen, nichts zu verpassen!

22. Mai 2021

Noch ein Buch: Charaktere geformt wie damals im Werkunterricht den Kasperl. Grün angemalt hatte ich ihn. Dann aber war‘s kein Kasperl mehr gewesen.

Die Tagebücher

In Tagebuch I schneits weit oben in den Bergen, Tagebuch II widmet sich dem Philosophischen und Tagebuch III will sich nicht festlegen. Während Tagebuch IV zutiefst Existentielles berührt, bleibt in Tagebuch V Raum für das Alltägliche, derweil Tagebuch VII eher so die Kant-Schiene fährt.

Ferien im Glattpark

Ferien im Glattpark
Ferien im Glattpark (BIld: AnnA)

Strassen und Wege tragen hier Namen wie Chavez-Allee oder Boulevard Lilienthal. Nix aber Rebhuhn. Ich sitze im Schatten eines Hochhauses, vor mir ein kühles Glas Cola. Worin die Zitronenscheibe erbittert gegen das Ertrinken ankämpft.

Im Kopf dreht die Geschichte von Neuhufer. Er, der nach Paris fährt und dort in einer Mansardenwohnung haust. Halt so Dinge erlebt, die du entweder glaubst oder nicht glaubst. Und stets kommt noch eine dazu. Oder auch weg. Es ist zum Verrücktwerden.

Rose hingegen lebt in Amsterdam. Gleich bei der Werft. Auch sie wird von ihm besucht. Ein einziges Mal bloss. Erst hab‘ ich gedacht, dass es sie gar nicht gibt. Aber Irrtum: Es gibt sie doch. Was Neuhufer in Holland sonst noch so treibt? Kannst du dir selbst ausrechnen. Er erzählt vom Meer.

Mittlerweile ist ein lauer Wind aufgekommen. Am Tisch nebenan vertritt einer die Babylon-Theorie. Dass nämlich alles vor die Säue geht. Sein Burger aber schmeckt ihm sichtlich. Sodann mach ich mich auf den Weg. Muss mir unbedingt mal die Beine vertreten.

Zur Abwechslung mal in Uster gestrandet…

Menschen säumen den Bahnsteig. Tragen Masken. „Das Ende naht“, sagen die einen. Und andere: „Wir bleiben dabei!“

Uster? Da kommst du hin, wenn du den falschen Zug erwischst. Und sonst so? Keine Ahnung. Vor tausend Jahren hat Motörhead mal hier gespielt. In der Stadthalle. Woher ich das weiss? Manche Sachen vergisst du nie.

Werd (Foto: AnnA)

Am Samstag hingegen waren wir Grillen. Limmat. Musik. Gekühltes Bier. Auf dem Nachhauseweg kippt mein Fahrrad in einen gierigen Busch. Mit mir noch obendrauf. Während sie lacht, rapple ich mich auf und übe Deutsch. Bloss halb so wild.

Zum Tagesbeginn…

Home Sweet Home (Bild: AnnA)

Erstens: Dass ich mir vorkomme wie altes Handy. „Der Akku, Leute, der Akku“, schreit es aus mir heraus. Dann die Sache mit dem Update: Wie lange wird mein Modell noch unterstützt?

Japanischer Single Malt: Jeweils nächtens wenn ich schreibe. „Was da alles drin ist?“, frage ich mich draussen beim Rauchen. Alles Gummibaum.

Übrigens: Ich schlote Camel. Die Braunen. „Männerzigaretten“, sagt sie, die ständig davon nascht. Ich hingegen feile noch an einer eloquenten Entgegnung.

Zuletzt: Seit ich dieses Allezonen-Abo besitze, wünsche ich mir nichts sehnlicher als Ticketkontrolle. Wenn sie dann aber da gewesen war, macht dezente Enttäuschung sich breit.

Gedehnte Quarantäne in Berlin

In der Tat ist K wie Karl nicht wirklich ausgewandert, sondern eher so in gedehnter Quarantäne drüben in Berlin. Wo er sich’s gut gehen lässt.

Gedehnte Quarantäne in Berlin
Berlin im Mai 2015 (Bild: AnnA)

Hat mir ‘ne Postkarte geschickt vom Brandenburger Tor anno Schwarzweiss und wenn du die Rückseite liest wird klar: Angetrunken oder sonst wie verknallt. Wahrscheinlich aber beides, was mir ein irgendwie betrogenes Gefühl beschert. Du weisst schon: Wie man sich stets irgendwie beschissen fühlt, vor allem dann, wenn du selbst die Bescheisserin bist.

Amriswil ist ein Kaff

Gestern in Amriswil und Amriswil ist ein Kaff. Was ich wegen einer Liaison von früher her weiss, aber da war ich noch grün hinter den Ohren gewesen.

Restaurant Friedhof, Amriswil
Restaurant Friedheim in Amriswil

Amriswil

Am Bahnhof lungern Abgehangene in Jeansjacken und trinken Büchsenbier. Allenthalben bremst ein Zug, worauf die Spannung ins schier Unerträgliche steigt. Spiel mir das Lied von Amriswil und ich zeig Dir meine Mundharmonika.

Stattdessen durch entleerte Strassen geschlendert, während Wind mein Haar zerzaust. Beidseits säumen herausgeputzte Riegelhäuser den Bürgersteig und weiter oben leuchtet eine Kirche. Ich suche nach Erinnerung, werde aber nicht fündig. Das bringt so gerade gar nichts. Im Schaufensterspiegel schiebt eine junge Frau ihren Kinderwagen, worauf ich stehen bleibe. Der Zigarettenrauch ist meine Sprechblase.

Kreuzlingen

Neben dem Restaurant Friedheim sind ein paar Tische aufgestellt. Drinnen ging’s nicht wegen der Pandemie. Zwei Menschen sitzen dort und ich blinzle ins Gegenlicht. Ihn habe ich eine ganze Länge nicht gesehen, was du rechnen kannst und zehn ergibt. Oder mehr. Bei ihr bin ich erst kürzlich auf Besuch gewesen: in Kreuzlingen. Kreuzlingen liegt am Bodensee und ist grau. Ich selbst war dort eine Zeit zur Schule gegangen und genauso grau gewesen. Gleich graue Maus.

Bern

Plötzlich springt ein Schatten auf den Tisch. Es ist jener der Wirtin. Sie will Wünsche von den Lippen lesen oder sonst was schwatzen. “Bier“, sage ich daher und suche mein Feuerzeug. Worauf sie abgeht, das Schattentuch im Schlepptau. Wir schauen einander in die Gesichter, ob da was geschrieben steht, doch nichts steht geschrieben. Was aber total okay oder doch nicht stört. Man kennt sich in einer Zeit, dieser aber wenig. “Was haben wir gelebt und gekleckert!“, denke ich für mich und sehe Kerzen züngelnd sich in Gläsern spiegeln. Höre Berner Blues oder Blues überhaupt. Und den Motor meines alten Audis. In Bern war ich gewesen, als der FCZ im Cupfinal die Youngboys gebodigt hatte, ein andermal habe ich eine Kollegin von früher dort getroffen, was insgesamt seltsam zerdrückt gewesen war. Oder dann noch die Sache mit Mario. In Bern scheint entweder die Sonne oder es regnet.

Und wieder Amriswil

Zu Dritt sitzen wir an der untergehenden Sonne und trinken Bier, wobei das Leben entweder ein f****** Dreckskerl oder aber die Augen verschliesst wie Jungfrau beim Onanieren. “Wie viele Augen so ein Leben wohl hat?“, frage ich mich für etwa eine Hundertstelsekunde. Die Antwort aber weiss keine oder aber sie lügt. Gerade als ich mich gemütlich zurücklehne und Balance sich einstellt, wird serviert. Erst Salat, dann Empfehlung des Hauses, was super schmeckt. Ich komme mir vor wie Lichtspieltheater. Weil Jetzt wie Jetzt + Film von gestern, wobei eines das andere überlagert. Farbe, Grauweiss, dazu Tonspur à la Unterseeboot, obwohl ich in keinem je gewesen war. Seine/ihre/meine Stimme und Rest weg. Weder Messerklappern, Kirchenläuten, noch Stühlerücken. Sogar auf dem Klo ist es still, dass ich drei Mal in die Hände klatsche, um mich mir selbst zu vergewissern. Das Leben ist ein f****** Dreckskerl und man kann drüber lachen, wenn man darf, zum Beispiel weglachen wie früher, als man es einfach weggelacht hat. Weg. Ge. Lacht. Ich jedoch mache mir keine vielen Gedanken, vielleicht auch wegen des Biers, wovon wir stets neues bestellen. Und dazu noch Grappa. Keine vielen Gedanken hiesse wenigstens einen einzigen, doch fehlt mir die Überzeugung. Ich bin lichtdurchflutet Celluloid. Doppelding aus Bild und Abbild. Spiel mir das Lied von Amriswil und es ist die Spiegelmelodie.

Rote Linien

Rote Linien sind entweder da oder nicht da“, meint Veilchenblau, während ich den Espressokocher auseinander schraube und mir überlege, was der heutige Tag wohl bringen mag.

Rot (Bild: AnnA)
Rot (Bild: AnnA)

Sie hat sich in letzter Zeit auf Putin eingeschossen. Der Rhetorik wegen einerseits, zudem er scheint‘s kein Verfallsdatum hat.

In meinem Kalender steht, dass um 8 Sitzung ist, wobei ich nicht weiss, worum es eigentlich geht.

Scheissmacho“, brummelt sie, die Machos nicht mag, während ich mit dem Löffel Zucker verrühre. Was ein klinkerndes Geräusch erzeugt.

Tagebuch V

@Viadukt, Zürich (Foto: AnnA)

14. April 2021

Jugendliche spielen ums Haus mit gusseisernen Deckeln, weshalb Mütter im Quartierchat davon abraten, Kleinkinder unbeaufsichtigt draussen herumtollen zu lassen.

15. April 2021

Soviel ist klar: Alltag ist ein gefrässiges, kleines Biest.

16. April 2021

Am Morgen furchtbares Durcheinander wer was wann wo wie warum und ob es superSMART wäre, W für W beantwortet zu haben?

20. April 2021

Gesellschaft muss manchmal so betrachtet werden, als ob es sie eine wäre und alles wird gut.

21. April 2021

Ticketkontrolle schon wieder.

Gegenüber

Gestern im Zug eine, die mir gegenüber sitzt, was bereits klar gewesen war, als ich sie auf dem Perron habe flattern sehen.

Foto: AnnA

Eingehüllt in eine Wolke aus Parfum und Bier erzählt sie vom Leben. Nichtexistenten Zuhause. Viel zu vielen Männern. Und ersoffenem Herzen. Ihre Augen sind mandelförmig eichhörnchenbraun wunderschön kindlich traurig. Weshalb ich mich in sie hinein lächle und strahle wie geschmolzener Reaktor à la Tschernobyl.

Rohkunst im Musée Visionaire

Art Brut und so, heuer aber sind Studien von Naegeli ausgestellt: Dem Sprayer von Zürich. „Superbrut geht anders“, kommentiert meine Begleitung und auch ich denke: „Nett.“

Musée Visionaire (Foto: AnnA)

Anschliessend trödeln wir ein wenig rum und stossen beim Münster auf den Totentanz. War zwar bereits in Köln, aber gefallen tut‘s trotzdem. Und wenn dann eine mit Kreide noch Jesus drüber schreibt, ist das irgendwie lustig. Vor allem die Kreide.